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Beleihungswert: Definition, Berechnung und Unterschied zum Verkehrswert

Finanzierungsberaterin ermittelt mit einem Paar den Beleihungswert einer Immobilie am Tisch mit Grundriss und Hausmodell

Der Beleihungswert ist der langfristig sicher erzielbare Wert einer Immobilie, den eine Bank als Kreditsicherheit ansetzt. Der Beleihungswert liegt 10 bis 30 Prozent unter dem Verkehrswert, beruht auf der Beleihungswertermittlungsverordnung und § 16 Pfandbriefgesetz und steuert über den Beleihungsauslauf die Höhe der Bauzinsen.

Kurz zusammengefasst

Der Beleihungswert bemisst den dauerhaft sicheren Wert einer Immobilie als Sicherheit für ein Darlehen. Banken ziehen einen Sicherheitsabschlag von mindestens 10 Prozent vom ermittelten Wert ab, in der Praxis liegt der Beleihungswert 20 bis 30 Prozent unter dem Verkehrswert. Die Beleihungsgrenze für Pfandbriefbanken beträgt 60 Prozent des Beleihungswerts. Der Beleihungsauslauf — das Verhältnis von Darlehen zu Beleihungswert — entscheidet über den Zinssatz: Unter 60 Prozent Auslauf sichern sich Kreditnehmer die besten Konditionen. Rechtsgrundlage sind das Pfandbriefgesetz und die Beleihungswertermittlungsverordnung.

Was ist der Beleihungswert einfach erklärt?

Der Beleihungswert ist der Betrag, den eine Bank bei einem späteren Verkauf der Immobilie jederzeit sicher erzielen kann. Der Beleihungswert dient als Kreditsicherheit: Fällt der Kreditnehmer aus, deckt der Verkaufserlös das Darlehen. Der Beleihungswert bleibt bewusst unter dem Tageswert.

Eine Kreditsicherheit ist ein Vermögenswert, den der Darlehensnehmer der Bank als Ausfallschutz überlässt. Bei der Baufinanzierung übernimmt die Immobilie selbst diese Funktion über eine Grundschuld. Der Beleihungswert legt fest, wie viel diese Sicherheit aus Sicht der Bank dauerhaft wert ist.

Der Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) definiert den Beleihungswert als den Wert, der sich langfristig und zu jedem beliebigen Zeitpunkt am Markt realisieren lässt. Diese Definition trennt den Beleihungswert vom aktuellen Marktpreis. Kurzfristige Preisspitzen, spekulative Nachfrage und regionale Übertreibungen fließen nicht ein.

Drei Merkmale kennzeichnen den Beleihungswert: erstens die Dauerhaftigkeit, weil er über die gesamte Kreditlaufzeit gelten muss; zweitens die Vorsicht, weil er Wertschwankungen vorwegnimmt; drittens die Rechtsbindung, weil das Pfandbriefgesetz seine Obergrenze vorschreibt. Diese drei Merkmale machen den Beleihungswert stabiler als jeden Marktpreis.

Wie berechnen Banken den Beleihungswert?

Banken ermitteln den Beleihungswert in zwei Schritten: zuerst den nachhaltigen Objektwert über ein normiertes Verfahren, dann einen Sicherheitsabschlag von mindestens 10 Prozent. Die Beleihungswertermittlungsverordnung schreibt für Wohnimmobilien das Vergleichswert- und das Ertragswertverfahren vor, deren Mittelwert den Beleihungswert bildet.

Die Beleihungswertermittlungsverordnung (BelWertV) ist eine Bundesverordnung, die die Wertermittlung für Pfandbriefbanken bundeseinheitlich regelt. Sie konkretisiert § 16 Pfandbriefgesetz und schreibt Verfahren, Kapitalisierungszinssätze und Mindestabschläge vor. Nach § 12 BelWertV beträgt der Sicherheitsabschlag mindestens 10 Prozent vom ermittelten Vergleichs- oder Sachwert.

Drei Verfahren stehen zur Verfügung: das Vergleichswertverfahren zieht Kaufpreise ähnlicher Objekte heran, das Ertragswertverfahren kapitalisiert die nachhaltig erzielbare Miete, und das Sachwertverfahren addiert Boden- und Gebäudewert. Für selbstgenutzte Eigenheime nutzen Banken meist das Sachwert- und Vergleichswertverfahren, für vermietete Objekte das Ertragswertverfahren.

RechengrößeBeispielwert
Verkehrswert (Marktwert)400.000 €
Sicherheitsabschlag (hier 20 %)− 80.000 €
Beleihungswert320.000 €
Beleihungsgrenze (60 % des Beleihungswerts)192.000 €
Beispielrechnung: vom Verkehrswert zum Beleihungswert und zur Beleihungsgrenze (Werte gerundet, Stand August 2026).

Der Sicherheitsabschlag federt das Risiko sinkender Immobilienpreise ab. Ein Abschlag von 20 Prozent bedeutet: Der Marktwert müsste um ein Fünftel fallen, bevor die Sicherheit der Bank unter den Beleihungswert rutscht. Diese Reserve schützt die Bank und stabilisiert das Pfandbriefsystem.

Expert Insight

Der Sicherheitsabschlag ist keine feste Zahl, sondern eine Bandbreite. Die BelWertV nennt 10 Prozent als Untergrenze, doch Banken rechnen bei schwer verwertbaren Objekten deutlich höher: Ein spezielles Architektenhaus, eine Immobilie in dünn besiedelter Lage oder ein Objekt mit ungewöhnlichem Grundriss erhält schnell 25 bis 30 Prozent Abschlag. Wer den Beleihungswert seiner Immobilie einschätzen will, sollte deshalb nicht mit einem Pauschalwert rechnen, sondern die Marktgängigkeit des konkreten Objekts prüfen — genau hier weichen die Werte zweier Banken für dasselbe Haus oft um fünfstellige Beträge ab.

Worin unterscheiden sich Beleihungswert, Verkehrswert und Kaufpreis?

Der Verkehrswert bildet den Marktpreis zum Stichtag ab, der Kaufpreis ist der tatsächlich gezahlte Betrag, und der Beleihungswert bemisst den dauerhaft sicheren Wert. Der Beleihungswert liegt am niedrigsten, der Verkehrswert dazwischen, der Kaufpreis oft am höchsten. Alle drei Werte betreffen dieselbe Immobilie, folgen aber verschiedenen Zwecken.

Der Verkehrswert ist nach § 194 Baugesetzbuch der Preis, der zum Bewertungsstichtag im gewöhnlichen Geschäftsverkehr zu erzielen wäre. Ein Sachverständiger ermittelt ihn objektiv und stichtagsbezogen. Der Verkehrswert schwankt mit dem Markt — steigt er in einem Boom, steigt der Verkehrswert mit.

Der Kaufpreis entsteht aus der Verhandlung zwischen Käufer und Verkäufer. In angespannten Märkten liegt der Kaufpreis über dem Verkehrswert, weil Käufer Aufschläge zahlen. Diese Differenz muss der Käufer aus Eigenkapital tragen, denn die Bank finanziert nie über den Beleihungswert hinaus.

MerkmalVerkehrswertBeleihungswert
ZweckMarktpreis zum StichtagKreditsicherheit
Rechtsgrundlage§ 194 BauGB§ 16 PfandBG, BelWertV
ZeitbezugStichtaggesamte Kreditlaufzeit
Marktschwankungfließt einbleibt außen vor
Höhehöher10–30 % niedriger
Verkehrswert und Beleihungswert im direkten Vergleich.

Wer den objektiven Marktwert seiner Immobilie belegen will, benötigt ein Verkehrswertgutachten. Details zu Kosten und Verfahren erklärt der Beitrag Verkehrswertgutachten: Kosten, Verfahren und wann es sich lohnt. Für vermietete Objekte lohnt zusätzlich der Blick auf das Ertragswertverfahren: So wird der Wert vermieteter Immobilien ermittelt.

Warum ist der Beleihungswert niedriger als der Kaufpreis?

Der Beleihungswert liegt niedriger als der Kaufpreis, weil die Bank nur den dauerhaft sicheren Wert absichert und spekulative Preisanteile abzieht. Der Kaufpreis enthält aktuelle Marktstimmung und Verhandlungsaufschläge, der Beleihungswert nicht. Diese Vorsicht schützt die Bank vor Verlusten bei einem Preisrückgang.

Immobilienpreise schwanken über Jahre teils erheblich. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes fielen die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland 2023 um 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr — der stärkste Rückgang seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2000. Ein Beleihungswert, der solche Rückgänge vorwegnimmt, bleibt auch in einer Preiskorrektur belastbar.

Die niedrigere Bewertung hat eine praktische Folge für Käufer: Die Differenz zwischen Kaufpreis und Beleihungswert muss aus Eigenkapital stammen. Wer ein Haus für 400.000 Euro kauft, dessen Beleihungswert bei 320.000 Euro liegt, finanziert bankseitig maximal diesen Beleihungswert — die restlichen 80.000 Euro plus Kaufnebenkosten trägt der Käufer selbst.

Was bedeutet 60 Prozent Beleihung und wie wirkt der Beleihungsauslauf auf die Zinsen?

Eine 60-Prozent-Beleihung bedeutet, dass das Darlehen 60 Prozent des Beleihungswerts nicht übersteigt — die Beleihungsgrenze für Pfandbriefbanken. Der Beleihungsauslauf misst dieses Verhältnis. Je niedriger der Auslauf, desto geringer das Risiko der Bank und desto niedriger der Zinssatz.

Die Beleihungsgrenze ist der Anteil des Beleihungswerts, bis zu dem eine Pfandbriefbank ein Darlehen zur Deckung von Pfandbriefen verwenden darf. Nach § 14 Pfandbriefgesetz liegt diese Grenze bei 60 Prozent des Beleihungswerts. Darlehensanteile darüber hinaus vergeben Banken zwar, refinanzieren sie aber teurer — was den Zinsaufschlag erklärt.

Der Beleihungsauslauf ist das Verhältnis von Darlehenssumme zum Beleihungswert in Prozent. Ein Auslauf von 50 Prozent gilt als sehr sicher, ein Auslauf über 80 Prozent als riskant. Banken staffeln ihre Zinssätze nach diesem Auslauf, weil er ihr Ausfallrisiko direkt abbildet.

BeleihungsauslaufRisikoeinstufungZinswirkung
bis 60 %sehr sicherbeste Konditionen
60–80 %Standardleichter Aufschlag
80–100 %erhöhtdeutlicher Aufschlag
über 100 %Vollfinanzierunghöchster Aufschlag
Zusammenhang von Beleihungsauslauf, Risiko und Zinsniveau (Stand August 2026).
Wichtiger Hinweis

Die genannten Prozentsätze und Zinsstaffeln sind Richtwerte mit Stand August 2026. Jede Bank ermittelt den Beleihungswert nach eigenen Grundsätzen, und die Zinsaufschläge je Auslaufstufe unterscheiden sich zwischen den Instituten. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Finanzierungsberatung. Vor jeder Kreditentscheidung gilt: konkrete Angebote mehrerer Banken einholen und die Beleihungswert-Ansätze vergleichen.

Welche Rolle spielt der Beleihungswert in der Baufinanzierung?

Der Beleihungswert bestimmt die maximale Darlehenshöhe, das nötige Eigenkapital und den Zinssatz einer Baufinanzierung. Er ist die zentrale Rechengröße, an der die Bank ihr Angebot ausrichtet. Wer den Beleihungswert kennt, kann seine Finanzierung realistisch planen, bevor er einen Kredit beantragt.

Eigenkapital senkt den Beleihungsauslauf und damit den Zinssatz. Wer 100.000 Euro Eigenkapital in eine Immobilie mit 320.000 Euro Beleihungswert einbringt und 220.000 Euro finanziert, erreicht einen Auslauf von rund 69 Prozent. Jeder zusätzliche Euro Eigenkapital verschiebt den Auslauf nach unten und verbessert die Kondition.

Der Beleihungswert wirkt auch bei einer Anschlussfinanzierung. Sinkt die Restschuld über die Jahre, während der Beleihungswert stabil bleibt, verbessert sich der Auslauf automatisch. Kreditnehmer erhalten bei der Prolongation deshalb oft bessere Zinsen als bei der Erstfinanzierung — ein Effekt, den viele bei der Planung übersehen. Welche Wertgutachten hier den Ausschlag geben, zeigt der Überblick Immobiliengutachten: Arten, Anlass und Ablauf im Überblick.

Meine Einschätzung

Die gängige Annahme lautet: Der Beleihungswert ist der Verkehrswert minus einem festen Prozentsatz. Eine Auswertung der zehn erstplatzierten Google-Ergebnisse zu diesem Thema zeigt jedoch ein anderes Bild — die dort genannten Abschläge streuen von 10 über 20 bis 30 Prozent, und selbst Googles KI-Antwort und der Ratgeber von Finanztip widersprechen sich um zehn Prozentpunkte. Der Grund ist strukturell: Es gibt keinen einheitlichen Abschlag, weil die BelWertV nur eine Untergrenze von 10 Prozent vorgibt und jede Bank die Marktgängigkeit des konkreten Objekts eigenständig bewertet. Für Eigentümer folgt daraus die praktisch wichtigste Erkenntnis: Ein online kursierender Pauschalwert taugt nicht zur Finanzierungsplanung. Verlässlich ist nur der Beleihungswert, den die finanzierende Bank für die konkrete Immobilie ausweist.

Das Wichtigste in Kürze
  • Der Sicherheitsabschlag beträgt nach § 12 BelWertV mindestens 10 Prozent, in der Praxis meist 20 bis 30 Prozent.
  • Die Beleihungsgrenze liegt nach § 14 Pfandbriefgesetz bei 60 Prozent des Beleihungswerts.
  • Der Beleihungsauslauf unter 60 Prozent sichert die günstigsten Bauzinsen.
  • Die Differenz zwischen Kaufpreis und Beleihungswert muss aus Eigenkapital stammen.
  • Rechtsgrundlage sind § 16 Pfandbriefgesetz und die Beleihungswertermittlungsverordnung (BelWertV).

Häufige Fragen zum Beleihungswert

Diese vier Fragen tauchen rund um den Beleihungswert regelmäßig auf. Sie ergänzen die Hauptkapitel um Detailaspekte zur Praxis der Wertermittlung.

Kann ich den Beleihungswert meiner Immobilie selbst ermitteln?

Eine exakte Selbstermittlung ist nicht möglich, weil Banken die BelWertV-Verfahren und interne Marktdaten nutzen. Eine grobe Orientierung liefert der geschätzte Verkehrswert abzüglich 20 Prozent. Den verbindlichen Beleihungswert setzt allein die finanzierende Bank fest.

Zahlt der Kreditnehmer die Beleihungswertermittlung?

Viele Banken erheben ein Schätzkostenentgelt für die Wertermittlung, häufig 0,2 bis 0,5 Prozent der Darlehenssumme. Einige Institute verzichten darauf und verrechnen die Kosten über den Zinssatz. Der Posten steht im Darlehensangebot und ist verhandelbar.

Ändert sich der Beleihungswert während der Kreditlaufzeit?

Der einmal festgesetzte Beleihungswert bleibt für die laufende Finanzierung bestehen. Bei einer Anschlussfinanzierung oder einer wertsteigernden Sanierung prüft die Bank ihn neu. Eine energetische Modernisierung hebt den Beleihungswert, ein Instandhaltungsstau senkt ihn.

Gilt der Beleihungswert auch für Eigentumswohnungen?

Der Beleihungswert gilt für jede Immobilie, die als Kreditsicherheit dient, also auch für Eigentumswohnungen. Banken bewerten Wohnungen über das Vergleichswert- und Ertragswertverfahren. Lage, Baujahr und Instandhaltungsrücklage der Eigentümergemeinschaft beeinflussen den Wert spürbar.

Quellen und weiterführende Literatur

Die folgenden Quellen bilden die rechtliche und statistische Grundlage dieses Beitrags. Sie eignen sich zur Vertiefung einzelner Aspekte der Beleihungswertermittlung.

  • Beleihungswertermittlungsverordnung (BelWertV) · gesetze-im-internet.de · Volltext der Verordnung mit den Verfahren und dem Mindestabschlag von 10 Prozent nach § 12.
  • Pfandbriefgesetz, §§ 14 und 16 · gesetze-im-internet.de · Rechtsgrundlage für Beleihungsgrenze (60 Prozent) und Definition des Beleihungswerts.
  • Beleihungswert und Beleihungsgrenze: einfach erklärt · vr.de · Ratgeber der Volksbanken Raiffeisenbanken zur Praxis der Bewertung.
  • Beleihungswert — So schätzt die Bank den Wert der Immobilie · finanztip.de · Ratgeber mit dem Praxiswert von 20 bis 30 Prozent Abschlag (Stand 23.02.2026).
  • Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) · pfandbrief.de · Fachliche Definition und Schriftenreihe zur Beleihungswertermittlung.
  • Preisindizes für Wohnimmobilien · destatis.de · Statistisches Bundesamt zur Preisentwicklung, darunter der Rückgang von 8,4 Prozent im Jahr 2023.

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